Ausflug ins Swing – Socken stricken

Zu Weihnachten bekam ich das Buch „Swing Socken stricken“ von meiner Schwester geschenkt. Tolle Sache, denn ich hatte mir dieses Buch schon länger gewünscht.

Heute möchte ich ein bisschen berichten, wie es mir damit ergangen ist. Soviel vorweg: Die Erfahrungen sind durchwachsen. Und ihr bekommt nun eine ganze Menge zu lesen.

 

Noch Heiligabend warf ich einen ersten Blick in das Buch. Das Buch verspricht eine „neue Technik“ und dementsprechend waren meine Erwartungen: Ich wollte eine neue Technik lernen. Soweit so gut. Erfahrungsgemäß kann man bei neuen Techniken mit den eigentlichen Modellanleitungen nicht so viel anfangen, weshalb ich die natürlich direkt übersprang und neugierig in das mittig abgeheftete „Technik-Heft“ schaute.
An diesem Abend war ich am Ende verärgert. Ich verstand kaum ein Wort von dem was ich las, ich konnte einfach keinen Zusammenhang herstellen. Es wird dort mit scheinbar zufällig gewählten Musikalischen Begriffen um sich geworfen, dazu sollte ich bemerken – ich bin durchaus fit im Thema „Musiktheorie“, was vielleicht sogar dazu beitrug, dass ich kein Wort verstand, denn auch musikalisch ergab das Geschriebene wenig Sinn. Diese Begriffe wurden also benutzt, aber nicht erklärt. Erst Seiten später der Versuch einer Erklärung – aber auch nach mehrmaligem Lesen machte das geschriebene einfach keinen Sinn. Und so legte ich das Heft genervt und enttäuscht beiseite und wunderte mich über diesen unverständlichen „Technik“-Teil, beschloss aber später „in Ruhe“ nochmal zu versuchen das zu verstehen und im Zweifel einfach mal zu „machen“.

In den folgenden Wochen, während ich an Bonnies Wish strickte, nahm ich mir das Heft regelmäßig vor und versuchte mir zusammenzureimen was eigentlich genau da erklärt werden sollte. Das war mühsam, erforderte mehrfaches hin- und herblättern und einige Sätze geben ihren Sinn bis heute nicht preis.

Schließlich war ich soweit – es sollte losgehen. Die Sohle zu stricken war eine Fingerübung – aber dann ging es an den Schaft und den Oberfuß und ich musste wieder ewig vor und zurückblättern und mir mühsam erschließen was nun da eigentlich geschrieben stand. Das empfand ich als sehr anstrengend – wenn auch nicht unmöglich – wurde aber neugierig, wie denn andere so auf diesen „Technik“ Teil reagierten.

Ich fing an bei den Rezensionen von Amazon. Nungut ich schien nicht die einzige zu sein, die mit diesem „Technik“-Teil seine Probleme hatte. Ich forschte etwas weiter und fand die ravelry-Gruppe der Designerin. Dort las ich ein bisschen quer – und stellte fest, dass der Verlag, der das Heft herausgegeben hat, die Texte der Autorin wohl umfangreich gekürzt hatte. Okay – DAS erklärte einiges.
Frohgemutes – halb im ersten Socken – schrieb ich ein Posting und erhoffte mir ein bisschen Hilfe. Ich schrieb – und dazu stehe ich – dass ich den Technik-Teil unfassbar unverständlich finde, mich aber durchkämpfen würde.

Ich erntete eine pampige Antwort der Designerin – wenn sie mit ihrer Anleitung meinen Geschmack nicht getroffen hätte, dann täte es ihr leid.

Meinen Geschmack? Eine Seite vorher „entschuldigt“ sie die unverständliche Anleitung mit den Kürzungen des Verlages – und nun hat sie den „Geschmack“ nicht getroffen?

Ich wunderte mich doch sehr – denn was hat ein TECHNIK Teil bitte mit Geschmack zu tun? Aber was eigentlich dahinter steckte, darauf stieß ich später…. aber ich will nicht vorgreifen.

 

Ich quälte mich durch die erste Socke und hielt sie am Ende tatsächlich fertig in der Hand. Nach und nach begann ich zu verstehen, was gestrickt werden soll, schaffte es die eigentümlichen Begriffe zu übersetzen.
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Nun bin ich ja in manchen Dingen eigen…. Ich wollte die zweite Socke „gegen gleich“. Ich blätterte durch das Heft und stellte fest – in keiner einzigen Anleitung gab es eine Gegen gleiche Variante. Komisch. Das musste doch möglich sein.

Also zog es mich wieder in das Forum und ich fragte – die Antwort war recht ernüchternd. Ja das geht, das müsste ich austüffteln, andere hatten das schon gemacht. Nur die Frage nach dem „wie stell ich das denn an“ blieb unbeantwortet.

Ich war enttäuscht. Ich wollte eine neue Technik lernen, so, dass ich sie selbständig umsetzen kann. Aber das bot mir weder das Buch, noch das Forum….

Aber ich bin ja dickköpfig. Ich hatte die Grundzüge des Swing-Socken strickens verstanden – wäre doch gelacht, wenn ich das nicht herausfinden sollte.
Und so drehte ich die erste Socke auf links und sah mir das Muster an – was passierte da, wenn ich spiegelverkehrt stricken würde.

Und dann habe ich losgelegt.

Das schöne am Stricken ist ja, dass Stricken wie Mathe ist. Man zählt, addiert, substrahiert, manchmal beides gleichzeitig – aber doch immer in irgendeiner logischen Form. Man kann also sagen – beim stricken gibt es gewisse Regeln, die eigentlich immer gelten. Viele Regeln kann man von anderen ableiten, je mehr Regeln man kennt, desto eher kann man damit spielen, eigene Theorien entwickeln – und Regeln auch bewusst brechen, wenn man möchte.

Und genau mit dieser Grundlage – nämlich den bekannten Regeln und „Gesetzen“ – schaffte ich es, das Muster der „Technik“-Socke spiegelverkehrt zu stricken. Ich sagte mir – wenn du das schaffst, dann hast du es kapiert. Und stellte dann fest – dass das was ich tat zwar aufgrund der preisgegebenen Technik-Brocken logisch war – aber doch völlig anders und mit keinem Wort erwähnt. Was ich lernte erschloss mir völlig neue Möglichkeiten. Ich war zwischendurch regelrecht begeistert….Es war ein bisschen als wenn jemand der nur Märsche kennt plötzlich den Walzer entdeckt.
Nur einmal war ich mir nicht sicher, denn mir war, als hätte ich eine „Regel“ gefunden, welche im Technik teil absolut keine Erwähnung fand – in der Theorie und Umsetzung aber absolut logisch war…. und ….man gibt die Hoffnung ja nicht auf …. Ich teilte meine Vermutung in diesem Forum mit. Ich bekam keine Antwort…nur soviel – die Antwort finde sich in den Workshops der Designerin.

Und ich denke genau da liegt das Problem dieses „Technik“ Versprechens des Buches. Wer die Technik so erlernen will, dass er sie eigenständig umsetzen kann – der hat an den Workshops der Designerin teilzunehmen. Bzw. Sie für viel Geld zu kaufen. Ja – preis Diskussionen bei Handarbeitssachen gehen in der Regel in die andere Richtung – aber ich finde diese Workshops angesichts dessen, dass man scheinbar immer nur Bruchstücke der Technik vorgesetzt bekommt und man eigentlich alle Teile kaufen müsste in der Gesamtheit tatsächlich sehr teuer.

Und dann komm ich daher und finde dreisterweise eine Regel durch erschließen, die – laut dem was man so an feedbacks in dem forum liest – frühestens in Workshop 4 vorkommt. Sowas aber auch…..

Also – ich beendet meine zweite Socke und hielt schließlich das Spiegel verkehrte Gegenstück zur Techniksocke in der Hand – obwohl ich ja eigentlich garnicht so weit hätte kommen sollen.
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Tja….an dieser Stelle hätte ich meinen Ausflug ins Swing-stricken beenden können. Viel Ärger und Frust für einen schlecht sitzenden Socken…

Nur war da ein Problem…..meine Erwartung war, dass ich eine Technik lernen wollte um sie dann umzusetzen. Ich hatte geschafft, was im Buch nicht vorgesehen war. Warum nicht den nächsten Schritt gehen.

Ich wollte die Regeln für meine Socken selbst festlegen. Eine eigene Steickmelodie entwickeln – was auch „freestyle“ kein Problem wäre, nur die „Sockenform“ hat gewisse Grenzen….

Ich blätterte einen Nachmittag in dem Buch, sah mir die vorgeschlagenen Designs an…und versuchte zu verstehen welchen Regeln sie folgten. Es schien keine zu geben….ich brauchte einige Stunden um sie zu entdecken.

Schließlich war ich soweit, dass ich mir meine Socke errechnen konnte – vor meinem inneren Auge ging ich die Schritte durch und schließlich war sie fertig….also in meinem Kopf.

Ich schlug die Socke in Größe 32 an (für meine Tochter) ….und nach ein paar Tagen hatte ich folgendes Ergebnis:
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Und ein paar Tage später sah das ganze dann so aus:
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Um es nun kurz zu machen – Ziel erreicht. Ich will mich nicht loben – aber dies ist nicht der Designerin die das Swing Stricken „erfunden“ hat zuzuschreiben.
Ich habe mein vorhandenes Wissen angewendet um neue Design Möglichkeiten zu entdecken.

Ich habe folgendes erkannt: Swing-Stricken ist nichts anderes als simples spielen mit verkürzten Reihen. Man kann dem ganzen natürlich toll klingende Namen verleihen und dann teure Workshops anbieten – aber es bleiben verkürzte Reihen.

Und das wars …nicht mehr und nicht weniger.

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12 Antworten zu “Ausflug ins Swing – Socken stricken

  1. Die Socken sehen wirklich toll aus und was für ein Durchhaltevermögen! Ich hätte vermutlich alles irgwann in die Ecke geschmissen. Nett auch die Reaktion der Designerin… Hat sie denn deinen Post mit der von dir frecherweise selbst entdeckten Regel so öffentlich stehen lassen oder hat sie ihn gelöscht? Geht das überhaupt bei ravelry? Aber egal. Die Socken sehen zwar toll aus, aber das Buch kaufe ich mir bestimmt nicht 😉

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    • Nein, gelöscht wurde er nicht. Aber eben nur ausweichend beantwortet. Ne, das will man jetzt so nicht bestätigen, man lerne das in den Workshops.
      Doof eigentlich weil ich die Antwort bzw die Bestätigung, dass meine Theorie richtig ist mit ein bisschen lesen in den Threads zu den Workshops selbst fand. Nur eben erst bei Workshop 4.

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  2. Puh, das macht mir aber keinen Mut, diese Socken auszuprobieren. Das Buch habe ich schon seit Ewigkeiten und es immer wieder hervorgeholt und frustriert zurück ins Regal gestellt. Aber dennoch: Deine Socken sehen super aus!

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  3. Huch, abschrecken wollte ich niemanden. Auch wenn ich mich echt viel geärgert habe, so war der Ärger wohl eher in der „falschen“ Erwartungshaltung begründet.
    Ich wollte eine neue Technik lernen. Das gibt das Buch definitv nicht her. Ein bisschen als wenn man einen Malkurs bucht und nur „malen nach Zahlen“ vorgesetzt bekommt.
    Mit ein bisschen strick-know-how kriegt man das aber hin – und hat am Ende eben eine Socke „nachgemalt“. Das war aber nicht was ich wollte.

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  4. Gibt es evtl. eine schriftliche Aufzeichnung der gegengleich gestrickten Socke. Ich liebe diese quergestrickten Teile, aber gegengleich wäre natürlich noch schöner.

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    • Nein ich habe keine Aufzeichnungen. Sorry. Ist jetzt auch schon wieder ein halbes Jahr her , dass ich die gemacht habe, aber es war gaaanz logisch. Mit ein bisschen grübeln kommt man drauf, vorrausgesetzt man hat diese komische Sprache entschlüsseln können.

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    • Sorry für die späte Antwort. Nein, ich habe das nicht notiert. Aber es war wirklich recht einfach, ich habe die erste Socke auf Links gedreht und dann quasi das gestrickt was ich gesehen habe (die Anzahl der Markierer konnte ich ja aus der Anleitung für die erste Socke ersehen, es war dann nur quasi andersherum (also hoch statt tief…und die Strophe zuerst die als letzte kam).

      Ich würd’s gern detailierter beschreiben, aber das ist jetzt schon echt ne Weile her….

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  5. Es ist sehr beruhigend für mich, dass andere es genau so sehen: Es ist eine hochtrabende Sprache, die Designerin wollte das Rad neu erfinden, kurzum die Dame hat einen an der Waffel 😉
    Weil es der Herzenswunsch meiner Schwester ist solche Socken zu besitzen, werde ich mich dranmachen und verkürzte Reihen stricken, ich glaub, dann passt das.

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  6. Ich habe das Swing Sockenbuch geschenkt bekommen und seither versuche ich immer wieder zu verstehen , was ich da machen soll.
    Ich habe mir weitere Anleitungen gekauft , und nix verstanden …
    Auch in der Gruppe und bei persönlicher nachfrage , gab es nur die Antwort “ bitte halte dich an den Technikerin, da steht alles drin“
    Nun hab ich zumindest die Sohle fertig , die mir durch Hilfe einer Dame aus FB „gelungen“ ist …
    Ich bin gespannt ob mich das Ergebnis befriedigt …. Bisher bin ich nicht zufrieden

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  7. Nachdem ich mehrfach völlig entnervt aufgegeben hatte, mich aber der Ehrgeiz nicht losgelassen hat,es wissen zu wollen, habe ich mir in den letzten 4 Tagen einen Knoten ins Gehirn gemacht und mir fast jeden Schritt aufgezeichnet. Und „Juchu“ endlich bin ich dahinter gestiegen und habe es kapiert.Es ist genauso wie „Strickkruemel „es beschrieben hat. Wie kann man nur Strickanleitungen so katastrophal umständlich beschreiben, wenn es einfacher auch gehen könnte,Ich bin Euch sehr dankbar für eure Kommentare, nun weiß ich,dass ich nicht allein verzweifelt bin.
    Ich kann,ein sehr schönes Sockenbuch empfehlen:“Twist-Socken stricken“ von Ulrike Brüggemann. Da geht es auch um verkürzte und verlängerte Reihen, allerdings fein ringsum und nicht vom Schaft zur Spitze, aber die Socken sehen auch toll aus und es ist wesentlich verständlicher erklärt!!!

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